Der INOSIM User Day 2026 brachte mehr als 45 Anwender, Entwickler und Partner in Dortmund zusammen, um Erfahrungen auszutauschen, Herausforderungen zu diskutieren und die neuesten Entwicklungen im Bereich Simulation und digitale Entscheidungsunterstützung zu erkunden.

Die Veranstaltung bot praktische Fallstudien, lebhafte Diskussionen und Einblicke in aktuelle und zukünftige INOSIM-Entwicklungen. Die Themen reichten von der Ressourcenpriorisierung und Abwassersimulation über flexible Modellierungskonzepte und Produktionsprognosen mit Foresight bis hin zur wachsenden Rolle von KI in Simulationsprojekten.

Wie immer lag der Fokus nicht nur auf der Technologie, sondern auch darauf, voneinander zu lernen. Die Vorträge zeigten, wie Simulation zur Lösung realer Herausforderungen eingesetzt wird, während die Diskussionen wertvolles Feedback lieferten, das die zukünftige Produktentwicklung mitgestalten wird.

Der Vorabend im Hövels Brauhaus

Über 35 Teilnehmerinnen und Teilnehmer trafen sich bereits am Vorabend des Anwendertags im Hövel Brauhaus, der letzten noch erhaltenen Brauerei innerhalb der mittelalterlichen Stadtgrenzen – ja, daher stammt der Straßenname „Wall“. Wir begannen den Abend mit einer Brauereiführung, die nicht nur informativ, sondern auch unterhaltsam war: „Ein Bierbauch entsteht nicht durch das Bier, sondern durch das Schnitzel danach.“

Der User Day: lernen, diskutieren, networken

Der User Day 2026 wurde von INOSIM-Geschäftsführer Peter Balling eröffnet, gefolgt von einer Begrüßungsrede von ZETA-Geschäftsführer Alfred Marchler. Anschließend führte Dominik Aubel von INOSIM durch das Programm. In den folgenden Abschnitten möchten wir Ihnen einen Überblick über die Inhalte der Vorträge von INOSIM-Anwendern und -Entwicklern sowie über die anschließende Diskussion geben. Die meisten Folien stehen nach dem Einloggen zum Download bereit.

Carolin Dietz, Exyte: „Process prioritization in resource-constrained environments“

Carolin stellte einen Fall vor, in dem eine Mitarbeiterressource das Entladen eines Autoklaven gegenüber der Dokumentation oder anderen manuellen Aufgaben priorisieren sollte. Bei mehreren Autoklaven kann die derzeitige INOSIM-Logik zu unrealistischen Wartezeiten führen, da die Ressourcenzuweisung ausschließlich auf der Priorität des Auftrags basiert und innerhalb eines Auftrags dem Prinzip „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“ folgt.

Sie stellte Lösungen vor, die auf einem „Look-Ahead“-Ansatz basieren: Wenn ein Autoklav entladen werden muss, bevor eine andere manuelle Aufgabe abgeschlossen ist, wird die manuelle Aufgabe verzögert, bis die Entladung begonnen hat. Dies löst die meisten Wartezeiten bei Autoklaven. Verbleibende Wartezeiten wurden durch Sonderfälle verursacht, die andere Ressourcen oder zuvor wartende Vorgänge betrafen und eine komplexere Lösung unter Verwendung paralleler Verzweigungen erforderten.

Das Publikum diskutierte auch weitere Ideen, wie die Reservierung von Ressourcen durch dynamische Verfügbarkeitsreduzierung oder dedizierte Reservierungsressourcen. Es besteht Bedarf an Steuerungsmöglichkeiten für die Ressourcenzuweisung und Priorisierung, und diese Funktion wird für zukünftige Updates in Betracht gezogen.

Daniel Markthaler, Chemgineering: „Simulation of Hydraulic Flows with pH Changes: Application to Industrial Wastewater Neutralization

Daniel stellte eine Simulationsstudie zu einem Abwasserneutralisationssystem in der Halbleiterindustrie vor, um zu beurteilen, ob die bestehende Anlage künftige Abwassermengen bewältigen kann oder ob eine dritte Neutralisationslinie erforderlich sein wird. Das Modell berücksichtigte sowohl das hydraulische Verhalten als auch die pH-Neutralisation.

Variable Abwasserströme mit schwankenden Durchflussmengen und pH-Werten werden in Tanks gesammelt und durch drei Rührbehälter geleitet, in denen Säure oder Lauge zugegeben wird, um die pH-Vorgaben zu erfüllen. Simulationen von vier repräsentativen Worst-Case-Tagen zeigten, dass die bestehende Anlage nach einer Parameteroptimierung die prognostizierten Abwassermengen selbst bei voller Produktionskapazität bewältigen kann. Die Material-Eigenschaften-Funktion von INOSIM wurde ebenfalls zur Modellierung der pH-Werte verwendet. Da diese Funktion für Systeme mit gleichzeitigen Zu- und Abflüssen nicht geeignet ist, wurde gemeinsam mit dem INOSIM-Supportteam eine Umgehungslösung entwickelt.

Die Sitzung endete mit einer Diskussion über die Integration des Neutralisationsmodells in größere Produktionsmodelle, um die Abwasserbehandlung und die Fertigung in einer kombinierten Simulation zu analysieren.

Nils Oldenburg, artistratis: „The Flexible Master Recipe“

Unter dem Titel „The Flexible Master Recipe“ stellte Nils ein Projekt vor, das innerhalb von nur zwei Monaten und mit begrenzten Kundenressourcen Antworten für wichtige Managemententscheidungen liefern sollte. Das Modell kombinierte kontinuierliche und chargenweise Produktion und berücksichtigte dabei die Verfügbarkeit von Arbeitskräften sowie Lagerbeschränkungen. Das Hauptziel bestand darin, verschiedene Schichtsysteme bei schwankender Nachfrage und wechselnden Produktportfolios zu bewerten.

Mithilfe der Flexibilität von INOSIM wurden mehrere strukturell ähnliche Produkte in einem einzigen Rezept abgebildet. Mithilfe von Skripten wurden die geeigneten Parameter ausgewählt und unnötige Schritte übersprungen, wodurch die Anzahl der Rezepturen von 35 auf 8 reduziert wurde. Das Modell erfasste zudem das reale Produktionsverhalten, indem es den Destillationsdurchsatz dynamisch an die Tankfüllstände anpasste und nach einer vollständigen Abschaltung eine Reinigung verlangte.

Nils‘ Ratschläge für Fast-Track-Projekte: Anzahl der Rezepte minimieren durch intelligente Prozessanalyse, Daten und Modellstruktur trennen und so die verfügbaren Kundenressourcen für die Datenerfassung effizient nutzen.

Torsten Mosebach, ZETA: „How Fill & Finish product logistics becomes OSD Production process“

In Anknüpfung an den Vortrag von Danylo im letzten Jahr stellte Torsten ein Simulationsprojekt vor, bei dem das Add-On „Packaged Goods“ genutzt wird, um die „Fill & Finish“-Logistik zu modellieren, indem einzelne Movable Units (MUs) wie Paletten und IBCs durch die Anlage bewegt werden.

Es wurde ein modularer Ansatz gewählt, der es den Anwendern ermöglicht, den Produktionspfad für jede SKU über eine Excel-basierte Matrix zu definieren. Dieses Konzept wurde auf einen Fill & Finish-Prozess ausgeweitet, bei dem die Abfolge der Prozessschritte ebenfalls über eine SKU-spezifische Matrix gesteuert wird, wodurch das Modell für zusätzliche Produkte leicht skalierbar ist.

Die Simulationsstudie ergab, dass bestimmte Aufträge Engpässe verursachten und die Lagerkapazität vorübergehend an ihre Grenzen brachten. Sie verdeutlichte zudem die Auswirkungen von Anlagenausfällen auf die Lagerauslastung.

Es wurde ein benutzerdefiniertes Dashboard entwickelt, um den Standort und den Status jedes MU zu visualisieren. Während der Diskussion stellten die Teilnehmer fest, dass ähnliche Funktionen bereits in den Standard-Dashboards von INOSIM BICON verfügbar sind. Das Team arbeitet nun daran, die ZETA-Standardvorlage zu erweitern, um diesen Ansatz für Stückgut für zukünftige Projekte wiederverwendbar zu machen. Die Diskussion konzentrierte sich auf die Vorteile und Grenzen von Vorlagen, dabei zeigte sich, dass die meisten INOSIM-User auf firmeninterne Standardmodelle mit integrierten Parametrisierungsfunktionen zurückgreifen.

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Foresight in Action

Dennis Meister, Marcus Glöckner, Octapharma: “Bringing Light to the Dark”

Unter dem Titel „Bringing Light to the Dark“ stellten Dennis und Marcus vor, wie INOSIM Insight und Foresight bei Octapharma eingesetzt werden.

Dennis berichtete von seinen Erfahrungen beim Aufbau seines inhouse Simulations-Service. Entgegen der Erwartungen war die Nachfrage nicht unmittelbar wie erhofft und er musste zunächst Zweifel bezüglich Verfügbarkeit, Fachwissen und Engagement ausräumen. Seine wichtigste Erkenntnis war, dass Simulation ein obligatorischer Bestandteil jeder Konzeptionsphase sein sollte, wobei Vorlagen eine schnelle Projektdurchführung ermöglichen.

Marcus berichtete von der Foresight-Implementierung bei Octapharma in Springe mit einer erheiternden Videospielanalogie: Produktions Manager Mario und Schichtleiter Luigi bekämpfen allerlei Probleme (Bowser) um die Prinzessin zu retten – im Fall von Octapharma insbesondere solche mit chronischen Erkrankungen des Bluts. Bisher erfolgte die Organisation mit Excel-Sheets, die zeitintensiv manuell aktualisiert wurden, Verzögerungen wurden dadurch frühestens nach einem Tag für alle sichtbar.

Das Projekt konzentrierte sich auf fünf Hauptsäulen: Datenqualität, IT-Infrastruktur, Datenintegration, Entwurf von Simulationsmodellen und Benutzerakzeptanz. Nach sechs Monaten im Einsatz hat sich Foresight als äußerst wertvoll erwiesen, da es zuverlässige, simulationsbasierte Prognosen für die nächsten zwei Produktionswochen liefert. Dank Aktualisierungen alle fünf Minuten werden Verzögerungen fast sofort sichtbar, während der manuelle Planungsaufwand deutlich reduziert wird.

Patrick Kümmel, CSL: “ What-if Maintenance Planning with Foresight at CSL Behring

Als einer derjenigen, die vor einigen Jahren den ersten Foresight-Prototyp umgesetzt haben, gab Patrick einen Überblick über den Stand der neuesten Erweiterung für die Wartungsplanung im Foresight-System bei CSL. Mit dieser Erweiterung wird es bald möglich sein, Wartungsaufträge zu planen und deren Auswirkungen auf den Produktionsprozess vorherzusagen. Im Rahmen dieser Erweiterung wird die neueste Version von Foresight eingeführt und ein komplett überarbeitetes Modell implementiert, um die Stabilität weiter zu verbessern. Zudem werden die Tableau-Dashboards durch eine interne Visualisierungslösung ersetzt, die eine engere Integration zwischen den Anzeige- und Steuerungsfunktionen des Systems ermöglicht.

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Entwicklung und Innovation bei INOSIM

Eine abwechslungsreiche Veranstaltung mit aktuellen Informationen zur Kernentwicklung und zu Innovationsthemen, ergänzt durch Prototyp-Anwender-Feedback von Boehringer.

INOSIM Insight: Neues Layout und vieles mehr in Entwicklung

Michael Günther stellte den aktuellen Stand des neuen Layouts vor, das auf einer neuen Technologie basiert. Diese zukünftige Version wird es den Anwendern ermöglichen, eigene benutzerdefinierte Symbole zu implementieren – eine Funktion, die vom Publikum sehr positiv aufgenommen wurde. Außerdem werden komplexere Animationen als bisher verfügbar sein (z. B. die farbliche Kennzeichnung von Anlagensymbolen je nach Verarbeitungs- und Transferzustand, die Anzeige von Tankfüllständen und die farbliche Anpassung von Verbindungen entsprechend den Transfereigenschaften).

Für die kommende Version INOSIM 2026.2 ist geplant, den Skriptzugriff auf Eigenschaften von Kurven (z. B. Minimal-/Maximalwerte) und Synchronisationsverknüpfungen in Rezepturen zu ermöglichen. Es wird ein neuer SQL-Server zur Verfügung stehen, der die Dateigrößenbeschränkung von 10 auf 50 GB erhöht.

Darüber hinaus wird INOSIM in Kürze eine neue Lizenzierungsoption anbieten: Wibu Codemeter CmCloud, zusätzlich zum klassischen USB-Stick und zur Serverlizenz. Bei CmCloud wird der Lizenzcontainer auf dem Hochverfügbarkeitsserver von Wibu gespeichert, sodass die IT-Abteilung des Anwenderunternehmens keinen eigenen Lizenzserver mehr betreiben muss. Wenden Sie sich an unseren Support, um mehr zu erfahren.

INOSIM Innovation: AI Chatbots und BICON update

Dominik Bleidorn stellte unseren Ansatz für einen KI-Chatbot (Arbeitstitel: „INO-SIMon“) vor: In einem ersten Schritt soll sowohl neuen als auch erfahrenen Nutzern Unterstützung beim Erstellen von Skripten geboten werden. Aus Datenschutzgründen liegt der Fokus darauf, das Wissen für gängige LLMs (als Dateien) bereitzustellen und den Nutzern die Möglichkeit zu geben, ihr eigenes KI-Abonnement mit API-Zugang einzubinden. In Zukunft möchte das Team eine bidirektionale Lese-Schreib-Interaktion mit dem vollständigen INOSIM-Modell ermöglichen, um eine KI-gestützte Modellkonfiguration und Analyse der Ergebnisse zu ermöglichen.

Derzeit überarbeitet INOSIM die gesamte Benutzerdokumentation (~160 000 Wörter) von einem proprietären Format in offene Markdown-Dateien, die für LLMs viel leichter lesbar sind. Ein Nebeneffekt ist, dass eine zukünftige Version ein neues Benutzerdokumentationssystem enthalten wird – ein Prototyp wurde bereits live von Dominik vorgeführt.

Erste Erfahrungen bei Boehringer mit dem SIMon Protoyp

Erik Hasenfus und Karthik Harinath von Boehringer Ingelheim berichteten über ihre Erfahrungen mit einem frühen Prototyp, den sie im Anschluss an das AKPS-Treffen in Würzburg im Oktober 2025 getestet haben. SIMon wurde auf drei intern verfügbaren Plattformen (Copilot, DocuBot und IQMinerva) aufgesetzt, um die am besten geeignete Plattform zu finden. Als Use Case stellten Erik und Karthik ein Modell vor, das (konzeptionell) vollständig von einer KI entwickelt worden war, einschließlich der gesamten Programmierung der typischen INOSIM-Steuerungen. Die Erfahrungen sind durchweg positiv.

Visualisierung von Simulations-Ergebnissen

Die Veröffentlichung von BICON 2026 wird in Kürze erwartet und bringt ein umfangreiches Update mit sich: Simulationsergebnisse können nun in einer Datenbank gespeichert werden. Dies ermöglicht eine einheitliche Exportstruktur für datengesteuerte Arbeitsabläufe, während der Export in CSV-Dateien und das proprietäre Tableau-Format weiterhin verfügbar bleiben. Dominik stellte einen frühen, in Vibe programmierten Prototyp für ein browserbasiertes Datenvisualisierungstool vor. Spontan stellte Peer Sander von INOSIM den Ansatz von ZETA zur Analyse von Simulationsdaten mit einem ähnlichen Tool für ihre spezifischen Anwendungsfälle (z. B. Spitzenwasserdurchflussmengen) vor. Das ZETA-INOSIM-Team arbeitet bereits an der Entwicklung eines stabilen Visualisierungstools.

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Fazit und abschließendes Get-together

Nach einem Tag voller Einblicke und Diskussionen bot das abschließende Get-together eine letzte Gelegenheit zum Networking und für informelle Gespräche. Ganz im Sinne der lokalen Traditionen im Ruhrgebiet genossen die Gäste neben Sekt auch regionales Bier. Voller frischer Ideen und wertvoller Inspirationen machten sich die Teilnehmer und das INOSIM-Team am Ende des Tages auf den Heimweg. Wir freuen uns schon jetzt auf den nächsten User Day, der 2027 erneut in Dortmund stattfinden soll. Details zum genauen Termin werden auf unserer Veranstaltungsseite, in unserem Newsletter und über unsere LinkedIn-Seite bekannt gegeben.

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